Gemäss USZ sind 6–18% der Frauen in gebärfähigem Alter davon betroffen, und die wenigsten wissen wirklich, worum es dabei geht.
Weil die Symptome oft uneinheitlich sind, ist vielen Betroffenen nicht klar, worum es überhaupt geht.
PCOS: Die alte Diagnose und ihre Kriterien
PCOS steht für «poly-cystic ovarian syndrome», zu Deutsch: Polyzystisches Ovarsyndrom.
Die Diagnose wird gestellt, wenn zwei der folgenden Symptome zutreffen (sog. Rotterdam-Kriterien):
- Zyklusstörungen (Ausbleibend oder unregelmässig)
- Überschuss männlicher Hormone ODER Hirsutismus (vermehrter, männlicher Haarwuchs)
- Ultraschall:
- Mehr als 20 mit Flüssigkeit gefüllte Follikel mit Durchmesser bis zu 9mm
- Mind. ein Eierstock grösser als 10ml
- Erhöhter Spiegel des Anti-Müller-Hormons (AMH)
Weitere, oft vorkommende Begleiterscheinungen, die die Diagnose mitbeeinflussen können, sind Übergewicht, Akne und Haarausfall sowie Unfruchtbarkeit.
Aufgrund dieser wirren Einordnung der Symptome gibt es nicht nur eine hohe Dunkelziffer, sondern auch viele Fehldiagnosen.
Ein Schritt in die richtige Richtung geschah im Mai 2026, als PCOS zu PMOS umbenannt wurde.
PMOS: Der neue Name und was er bedeutet
Wie gesagt, wurde PCOS offiziell zu PMOS umbenannt. Das steht für:
- Polyendokrines (= hormonell)
- Metabolisches (= Stoffwechsel)
- Ovarialsyndrom (= die Eierstöcke betreffend)
Mehr Infos zur Umbenennung findest du in diesem Blogartikel.
Da es sich bei dem, was man auf dem Ultraschallbild sehen kann, nicht um Zysten handelt, sondern um Follikel, reduziert die Umbenennung einen Teil der Verwirrung um dieses Krankheitsbild.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Aufnahme des Stoffwechsels und der Hormone in die Benennung. Somit kommen wir dem Krankheitsbild schon deutlich näher.
PMOS verstehen: Insulinresistenz im Zentrum
Wie der neue Name vermuten lässt, liegt ein Stoffwechselproblem im Zentrum von PMOS. An dieser Stelle müssen wir also dringend über Insulinresistenz sprechen.
Eine Insulinresistenz entsteht, wenn häufig zu viel Zucker im Blut schwimmt, worauf der Körper mit häufig und viel Insulin reagiert. Insulin wird nämlich benötigt, um Zucker im Ruhezustand aus der Blutbahn in die Organe zu bringen. Muskulatur, die Leber, und wenn die beiden Speicher voll sind, Fettzellen, werden durch Insulin mit Zucker bedient.
In diesen Organen sitzen Rezeptoren, so etwas wie Türsteher, die die Türe öffnen, wenn Insulin anklopft und Zucker mitbringt. Dann wird der Zucker eingeschleust. Jede Zelle verfügt über mehrere solcher Türsteher.
Das Problem beginnt, wenn dieser Prozess zu häufig vorkommt, also wenn man zu oft Mahlzeiten konsumiert, die eine Insulinausschüttung provozieren.
Mit den Türstehern ist es, als ob man in der Nähe eines Bahnhofs wohnen würde. Am Anfang reagiert man auf jeden einfahrenden Zug, aber mit der Zeit nimmt man den Lärm gar nicht mehr wahr.
Wenn Insulin ständig anklopft, beginnen sich die Türsteher zurückzuziehen, weil es ihnen zu viel wird. Das Signal «Lass bitte Zucker rein» wird nicht mehr gehört. Das nennt man Insulinresistenz. Wenn diese ein hohes Level erreicht, spricht man dann von Diabetes mellitus Typ II.
Man hat zuerst also einen Insulinüberschuss (Hyperinsulinämie), und später eine Insulinresistenz.
Insgesamt wirkt diese Insulinproblematik auf 4 weitere Achsen des Körpers:
Der Insulinüberschuss bewirkt einen Androgenüberschuss.
Das bedeutet: zu viele «männliche» Hormone. Zu viel Testosteron und DHEA. Thekazellen werden stimuliert und produzieren erhöht LH (luteinisierendes Hormon), was zu einer Dysbalance zwischen LH und FSH (Follikelstimulierendes Hormon) führt. Die Follikelreifung wird gestört oder sogar gestoppt. So kann der Eisprung ausbleiben, Progesteron fällt in der Folge weg und Östrogen dominiert. Dadurch wächst die Gebärmutterschleimhaut ohne folgende Ausscheidung und wir sind bei einem unregelmässigen Zyklus oder sogar Amenorrhoe angelangt.
Der Androgen-Exzess ist aber eher eine Folge der Insulinresistenz und weniger als Ursache von PMOS zu betrachten.
Dieser Überschuss und die Dysbalance der Hormone, zusammen mit der Insulinresistenz, führt zu einer erhöhten Fettspeicherung im viszeralen Bereich. Das bedeutet, dass sich das Fett eher um die Organe im Bauchraum platziert. Eine Verfettung der Organe ist somit eine weitere mögliche Begleiterscheinung, die das ganze gleichzeitig auch weiter verschlechtert.
So wird die Insulinresistenz durch das viszerale Fett weiter angekurbelt.
Die Insulinresistenz hat, zusammen mit den zwei vorherigen Faktoren, einen negativen Einfluss auf den Darm.
Durch eine niedrigere Butyratproduktion, gekoppelt mit einer beginnenden Dysbiose, entsteht langsam ein intestinale Hyperpermeabilität (Leaky Gut).
Ein dysreguliertes Darmmikrobiom und Leaky Gut führt zu zwei Problemen: Östrogene werden weniger gut «recycelt», was den Hormonhaushalt insgesamt beeinflusst. Weiter entsteht eine ständige, niedriggradige Entzündung mit leichter, aber kontinuierlicher Aktivität des Immunsystems. Das führt zu Stoffwechsel- und Insulinproblemen, weil das Immunsystem die Energie für sich beanspruchen will.
Letzter Halt: Stress und HPA-Achse
Schlafmangel und psychosozialer Stress, der unter Umständen aufgrund der PMOS-Symptome entstehen kann, führt wiederum zu einer Verschlechterung der Insulinsensitivität (die Türsteher werden taub). Ausserdem werden vermehrt Androgene produziert, was den Teufelskreis wieder von vorne beginnen lässt.
Die Abbildung zeigt, wie alle Systeme miteinander verbunden sind, und gleichzeitig alle einen Einfluss auf den Stoffwechsel nehmen und selber durch den Stoffwechsel, also die Insulinresistenz, beeinflusst werden.
PMOS behandeln: Ernährung, Bewegung und Lifestyle
Oft wird bei PMOS die Antibaby-Pille verschrieben. Das lindert oft die Symptome, ist aber ein ungünstiges Mittel bei Frauen, die in der Familienplanung stecken. Auch bei den anderen Frauen behandelt man mit der Pille, die eigentlich als Verhütungsmittel genutzt wird, nur die Symptome, da die hormonelle Dysbalance nicht ursächlich für PMOS ist, sondern eine Konsequenz der Insulinresistenz.
Und genau da müsste man ansetzen, bei der Insulinresistenz.
Was man sich mit schlechten Ess- und Lebensstilgewohnheiten aneignen kann, ist in der Regel reversibel. Das heisst, dass man die Insulinsensitivität, also die Empfindlichkeit und Anzahl der Rezeptoren, der Türsteher, wieder ankurbeln kann.
Das geschieht primär über die Ernährung. Entscheidend ist vor allem die Häufigkeit! Wie oft wir essen beeinflusst den Insulinspiegel stärker als der Inhalt der Mahlzeit. Diese ist natürlich trotzdem wichtig. Gerade wenn wir bedenken, dass ein weiterer Einflussfaktor der Darm und chronische niedriggradige Entzündung ist, ist es sinnvoll sich zu überlegen, was wir unserem Darmmikrobiom als Nahrung geben und ob wir mit unserem Essen wirklich ständig hohe Mengen Zucker (Kohlenhydrate) zur Verfügung stellen müssen.
Spannend für die Insulinsensitivität und einen gesunden Darm sind tierische Eiweisse aus Fleisch, Fisch und Eiern, Ballaststoffe aus Früchten und Gemüse und gesunde Fette aus Fisch, Eiern, Nüssen und Oliven‑, Avocado- oder Kokosöl.
Es dürfte wenig überraschen, dass Sport ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf unser Hormonsystem hat. Muskulatur und Training beeinflussen das Zucker-Insulinsystem positiv, bewirken aber auch eine Regulierung der Stressachse und den dazugehörigen Hormonen.
Sport und Bewegung fördern einen besseren Schlaf, stärken die Psyche und helfen, das Immunsystem zu regulieren.
Einige Studien deuten darauf hin, dass insbesondere HIT und HIIT als Trainingsvarianten gut funktionieren, aber entscheidend ist, dass man sich betätigt und irgendwie etwas Muskulatur aufbauen kann. Nein, wir sprechen nicht von She-Hulk.
Einige Supplemente können ebenfalls helfen. Sowohl bei der Insulinsensitivität als auch bei der Entzündungsmodulation und der Hormonregulierung.
Supplemente sind aber immer nur das: Ein zusätzliches Werkzeug, wenn man alles andere im Griff hat. Ohne den Lifestyle anzupassen nützen auch die Supplemente nichts, sie können aber einen zusätzlichen Boost geben.
Grundsätzlich beschreibt PMOS eher eine Sammlung von teils wirren Symptomen. Insofern ist es schwierig zu sagen, ob PMOS heilbar ist.
Die Studienlage ist aber deutlich: Man kann sehr vieles dafür tun, dass sich diese Symptome verbessern, vielleicht sogar ganz verschwinden, und man zu Wohlbefinden zurückfindet.
Wie wäre es, wenn der Zyklus wieder auftaucht, wieder regelmässig auftaucht und man vielleicht doch nicht in die Kinderwunschklinik muss? Das wäre sicher einen Versuch wert.