Füsse in Wollsocken eingepackt, obwohl es nicht kalt ist

Schild­drüse: Warum dein TSH nor­mal sein kann und du trotz­dem frierst

Sie ist 34, kommt im Okto­ber mit Woll­socken zur Bera­tung und ent­schul­digt sich fast dafür. Kalte Hände, kalte Füsse, seit zwei Jah­ren mor­gens wie gerä­dert, der Zyklus mal 26 Tage, mal 38. Dazu vier Kilo mehr auf der Waage, ohne dass sich am Essen etwas geän­dert hätte, und deut­lich mehr Haare im Abfluss als frü­her. Beim Haus­arzt war sie zwei­mal. Blut­bild gemacht, TSH gemes­sen, im Norm­be­reich. Alles gut, hiess es. Viel­leicht etwas mehr Sport.

Viel­leicht kennst du es in einer ande­ren Vari­ante. Du liegst abends wach oder wachst um drei auf und fin­dest nicht mehr zurück in den Schlaf, du schiebst Dinge vor dir her, die dir frü­her leicht­ge­fal­len sind, und die Lust auf Sex ist irgend­wann leise ver­schwun­den, ohne dass du sagen könn­test, wann genau. Mei­stens hört man dazu, das sei halt der All­tag, das Alter oder der Stress.

Dass ein ein­zel­ner Wert im Refe­renz­be­reich liegt, heisst nur eines: Die­ser eine Wert liegt im Refe­renz­be­reich. Über den Rest des Systems sagt er ziem­lich wenig.

In die­sem Arti­kel geht es darum, was die Schild­drüse tat­säch­lich tut, warum sie so häu­fig aus­bremst und wo du selbst anset­zen kannst. Keine Mei­nung, keine Wun­der­pro­to­kolle, son­dern Phy­sio­lo­gie und was die Daten­lage dazu her­gibt. Auch dort, wo sie dünn ist.

Das Finanz­mi­ni­ste­rium in dei­nem Hals

Die Schild­drüse sitzt vorne am Hals und baut zwei Hor­mone: T4 (Tet­ra­jod­thy­ro­nin) und T3 (Tri­jod­thy­ro­nin). Diese Hor­mone steu­ern den Ener­gie­stoff­wech­sel. Etwas pla­ka­ti­ver gesagt: Sie ertei­len dei­nen Orga­nen die Erlaub­nis, Ener­gie zu verbrauchen.

Stell dir die Schild­drüse als Finanz­mi­ni­ste­rium vor. Sie ver­wal­tet nicht das Geld selbst, aber sie ent­schei­det mit, wie viel Bud­get frei­ge­ge­ben wird und wohin es fliesst. In die Bil­dung (Gehirn), ins Mili­tär (Immun­sy­stem), in den Nach­wuchs (Geschlechts­hor­mone), in den Stras­sen­bau (Rege­ne­ra­tion) oder in Kunst und Kul­tur (Mus­keln, Haut, Bin­de­ge­webe). Die­ses Bild wird uns durch den gan­zen Arti­kel beglei­ten, denn fast alles, was bei der Schild­drüse schief­läuft, ist am Ende eine Budgetfrage.

Ohne Schild­drü­sen­hor­mone sind wir nicht lebens­fä­hig. Sie wir­ken auf:

  • Kör­per­tem­pe­ra­tur
  • Ener­gie­stoff­wech­sel und des­sen Ver­tei­lung, vor allem die Akti­vie­rung der Mitochondrien
  • Wachs­tum und gei­stige Ent­wick­lung von Embryos und Kindern
  • Stoff­wech­sel von Eiweiss, Fet­ten und Kohlenhydraten
  • Herz-Kreis­lauf-System
  • Gehirn­stoff­wech­sel
  • Wech­sel­wir­kung mit ande­ren Hor­mo­nen, etwa Geschlechts- und Stresshormonen

Die Anwei­sun­gen kommt aus dem Gehirn, über die Achse Hypo­tha­la­mus-Hypo­physe-Schild­drüse. Der Hypo­tha­la­mus schickt TRH los, die Hypo­physe ant­wor­tet mit TSH, und TSH kur­belt in der Schild­drüse die Pro­duk­tion von T4 an. Zusätz­lich greift der Hypo­tha­la­mus direkt über das sym­pa­thi­sche Ner­ven­sy­stem ein, also über Ner­ven und Neu­ro­trans­mit­ter, nicht nur über Hormone.

Wieso erkrankt gerade die­ses Organ so oft?

Die Schild­drüse ist nicht unsere ein­zige Hor­mon­drüse, aber keine andere macht so häu­fig Pro­bleme. Frauen sind deut­lich stär­ker betrof­fen als Män­ner, in den Häu­fig­keits­zah­len etwa fünf- bis zehn­mal so oft.

Ein Teil der Ant­wort liegt in der Bau­an­lei­tung. T4 ent­steht in den Schild­drü­sen­zel­len aus der Ami­no­säure L‑Tyrosin und Jod, zusam­men­ge­setzt vom Enzym TPO (Thy­re­oper­oxi­dase), das dafür Eisen braucht (TPO ist ein Häm-Enzym, ohne Eisen läuft es schlecht). T4 geht dann ins Blut, wirkt dort aber nur schwach. Es ist die Vor­stufe. Erst in den Gewe­ben, vor allem in der Leber, wird T4 zum eigent­lich akti­ven T3 umge­baut, durch Enzyme namens Dejod­a­sen. Und die brau­chen Selen.

Kurz gerech­net: Feh­len Jod, Selen, Zink, Eisen oder Tyro­sin, kann das Finanz­mi­ni­ste­rium keine Bud­gets aus­stel­len, egal wie laut das Gehirn danach ruft. Vit­amin A und Vit­amin D spie­len als Co-Fak­to­ren eben­falls mit.

Die zweite, in der Schweiz häu­fig­ste Ant­wort ist unbe­que­mer: Hash­i­moto-Thy­reo­idi­tis. Eine Auto­im­m­un­re­ak­tion, bei der das eigene Immun­sy­stem das Schild­drü­sen­ge­webe angreift. In Regio­nen mit aus­rei­chen­der Jod­ver­sor­gung ist das die Num­mer eins unter den Ursa­chen einer Unter­funk­tion, und genau des­halb gehö­ren TPO- und TG-Anti­kör­per in eine ordent­li­che Abklä­rung. Nähr­stoff­män­gel, chro­ni­sche Ent­zün­dung und Dau­er­stress kom­men dazu und ver­schlim­mern das Bild, aber sie erset­zen diese Frage nicht.

Zur Jod­ver­sor­gung in der Schweiz noch ein Satz, weil das oft falsch erzählt wird: Wir haben seit den 1920er-Jah­ren jodier­tes Spei­se­salz, das war eine der wirk­sam­sten Public-Health-Mass­nah­men über­haupt. Die Zufuhr ist in den letz­ten Jah­ren aller­dings wie­der rück­läu­fig, unter ande­rem weil in der Indu­strie­pro­duk­tion meist nicht jodier­tes Salz ver­wen­det wird und viele zu Hause auf Spe­zi­al­salze umstei­gen. Fleur de Sel ist hübsch. Jod ent­hält es nicht.

Warum die Schild­drüse nachts arbeitet

Der Hypo­tha­la­mus ist der Steu­er­mann. Er ver­gleicht lau­fend den Ist-Zustand mit dem Soll und schickt ent­spre­chend hem­mende oder akti­vie­rende Signale los. Diese Signale kom­men aber nicht gleich­mäs­sig, son­dern pul­sa­til, im Takt. Und den Takt gibt unter ande­rem die Zir­bel­drüse vor, über Mela­to­nin und den Tag-Nacht-Rhythmus.

TSH hat einen kla­ren nächt­li­chen Gip­fel, unge­fähr zwi­schen 23 und 4 Uhr. Die Schild­drüse ist damit in guten Tei­len ein Nacht­or­gan: Sie stellt die Ener­gie­ver­sor­gung genau dann sicher, wenn von aus­sen nichts nach­kommt, weil du schläfst. Mela­to­nin regelt dabei weit mehr als nur den Schlaf, unter ande­rem auch die Frei­set­zung von Fett­säu­ren aus dem Fett­ge­webe in der Nacht.

Was bedeu­tet das prak­tisch? Ein zer­schos­se­ner Bio­rhyth­mus und eine schwa­che Mela­to­nin­pro­duk­tion drücken auf die Schild­drü­sen­achse. Wer bis Mit­ter­nacht in hel­les Bild­schirm­licht schaut und um sechs mit dem Wecker raus­ge­ris­sen wird, ver­han­delt sein Ener­gie­bud­get jede Nacht neu, und zwar von einer schlech­ten Posi­tion aus.

Dein Kör­per ist nicht multitaskingfähig

Jetzt kommt der Teil, der in der Haus­arzt­pra­xis sel­ten zur Spra­che kommt, und aus kPNI-Sicht der eigent­li­che Kern.

Die teu­ren Organe kön­nen nie alle gleich­zei­tig viel Bud­get bean­spru­chen, weil so viel Ener­gie ein­fach nicht da ist. Gehirn, Leber, Herz, Darm und Nie­ren ste­hen dau­er­haft ganz vorne in der Ver­tei­lung. Immun­sy­stem und Mus­ku­la­tur sind fle­xi­bel, wer­den aber extrem teuer, sobald sie aktiv sind. Gleich­zei­tig kämp­fen und den­ken, ren­nen und ver­dauen: funk­tio­niert schlecht. Musste es evo­lu­tio­när auch nie. Jagen oder essen oder den­ken, alles zu sei­ner Zeit.

Wenn ein Organ mehr braucht, sorgt es dafür, dass die ande­ren weni­ger bekom­men. Und das Immun­sy­stem ist darin bru­tal effizient.

Bei einer aku­ten Infek­tion spürst du die Spar­mass­nah­men inner­halb von Stun­den: Müdig­keit, Abge­schla­gen­heit, Kopf- und Glie­der­schmer­zen, Appe­tit­lo­sig­keit, kein Inter­esse an ande­ren Men­schen. Das hat einen Namen, «Sick­ness Beha­viour», und es ist kein Defekt, son­dern ein Pro­gramm. Über­le­bens­wich­tig ist jetzt, schnell gesund zu wer­den, alles andere kann war­ten. Aus­ge­löst wird die­ses Pro­gramm von Immun­bo­ten­stof­fen, den Zyto­ki­nen, die von akti­ven Immun­zel­len aus­ge­schüt­tet wer­den, Ener­gie zu sich zie­hen und die ande­ren teu­ren Organe vor­über­ge­hend lahmlegen.

Der Trick mit dem rT3

Und hier greift das Immun­sy­stem direkt in die Schild­drüse ein.

Eine Immun­re­ak­tion treibt die Cor­tisol­pro­duk­tion hoch. Sowohl die Zyto­kine als auch das Cor­ti­sol ver­schie­ben die Umwand­lung von T4: Statt zum akti­ven T3 wird ver­mehrt rT3 gebaut, rever­ses T3. Das ist der Gegenspieler.

Akti­ves T3 wirkt am Mito­chon­drium wie ein Zünd­schlüs­sel und för­dert die ATP-Pro­duk­tion. rT3 passt ins glei­che Schloss, dreht aber nicht. Es besetzt die Rezep­to­ren, senkt den T3-Spie­gel und bremst zusätz­lich die Wir­kung des rest­li­chen T3. Das Bud­get wird nicht nur gekürzt, es wird auch der Zugriff auf das noch vor­han­dene Geld gesperrt. Deine Zel­len dür­fen keine Ener­gie mehr verbrauchen.

Solange das kurz dau­ert, ist es genial. Du wirst gesund, die Immun­re­ak­tion endet, das Bud­get wird wie­der frei­ge­ge­ben, alles läuft.

Bei einem chro­nisch akti­ven Immun­sy­stem bleibt die Bremse drin. Die Zyto­kine hal­ten die Ein­schrän­kung im T3-Stoff­wech­sel und damit in der Mito­chon­dri­en­funk­tion auf­recht, unter­drücken die Hor­mon­pro­duk­tion in der Schild­drüse und dämp­fen die ganze Achse zwi­schen Gehirn und Schild­drüse. In der Not­fall- und Inten­siv­me­di­zin ist die­ses Muster unter dem Namen «Non-Thy­ro­idal Ill­ness Syn­drome» gut doku­men­tiert. Wie stark das­selbe bei nied­rig­schwel­li­ger, chro­ni­scher Ent­zün­dung im All­tag greift, ist wis­sen­schaft­lich weni­ger klar ver­mes­sen, aber die Mecha­nis­men sind die­sel­ben, und in der Pra­xis sehen wir das Bild regelmässig.

Wie sich das anfühlt

Typi­sche Anzei­chen einer zu gerin­gen Schilddrüsenleistung:

  • Ver­stop­fung
  • häu­fi­ges Frie­ren, kalte Hände und Füsse
  • nied­rige Körpertemperatur
  • nied­ri­ger Blutdruck
  • nied­ri­ger Ruhe­puls (bei Untrai­nier­ten unter etwa 65 Schläge pro Minute; wer regel­mäs­sig Aus­dauer trai­niert, hat phy­sio­lo­gisch tiefe Werte, das ist hier kein Warnsignal)
  • geringe Libido
  • Zyklus­stö­run­gen
  • trockene Haut, ris­sige Nägel, dünne Haare bis Haarausfall
  • depres­sive Verstimmung
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • bei Infek­ten kein Fie­ber, weil Fie­ber teuer ist
  • Myx­ödeme, also Schwel­lun­gen der Haut im Gesicht und an den Extremitäten
  • Ver­grös­se­rung der Schild­drüse, die klas­si­sche Kropfbildung

Das ersetzt keine ärzt­li­che Abklä­rung, und ein­zelne die­ser Punkte hat fast jeder mal. Aber wenn du drei oder vier davon seit Mona­ten mit dir her­um­trägst, lohnt es sich, genauer hin­zu­schauen als nur auf einen Wert.

Wel­che Werte fehlen

Beim Haus­arzt wird in der Regel TSH bestimmt, manch­mal noch fT4. TSH ist ein guter Scree­ning-Para­me­ter und wird zu Recht zuerst gemes­sen, aber er zeigt vor allem, wie laut das Gehirn ruft. Nicht, ob unten tat­säch­lich etwas ankommt und ob es dort wir­ken kann.

Sinn­voll für ein voll­stän­di­ges Bild:

  • TSH
  • freies T3
  • freies T4
  • TPO- und TG-Anti­kör­per, zur Frage Autoimmunthyreoiditis
  • Fer­ri­tin, plus Trans­fer­rin und Transferrinsättigung
  • Jod, idea­ler­weise Zink und Selen
  • Tyro­sin, beson­ders bei nied­ri­ger Proteinzufuhr
  • CRP als Entzündungsmarker
  • Vit­amin D (25-OH, bei Bedarf zusätz­lich 1,25-OH) und Vit­amin A
  • rT3

Zum rT3 gehört eine Ein­ord­nung, weil du dazu online in beide Rich­tun­gen sehr laute Mei­nun­gen fin­dest. Die endo­kri­no­lo­gi­schen Fach­ge­sell­schaf­ten emp­feh­len rT3 nicht als Rou­ti­ne­dia­gno­stik, und dafür gibt es gute Gründe: Der Wert schwankt, die Refe­renz­be­rei­che sind schlecht stan­dar­di­siert, und für sich allein dia­gno­sti­ziert er nichts. Im Zusam­men­spiel mit fT3, CRP und Fer­ri­tin lie­fert er uns trotz­dem einen Hin­weis dar­auf, ob eine Umwand­lungs­bremse mit­spielt. Er ist ein Puz­zle­teil, keine Dia­gnose, und wer ihn dir als sol­che ver­kauft, ver­kauft dir etwas.

Der Test, den du mor­gen früh selbst machen kannst

Weil die Schild­drüse die Kör­per­tem­pe­ra­tur mit­re­gelt, ist die Tem­pe­ra­tur ein ein­fa­cher, wenn auch gro­ber Indikator.

Die Basalt­em­pe­ra­tur, also die Tem­pe­ra­tur direkt nach dem Auf­wa­chen und vor jeder Bewe­gung, sollte im Mund gemes­sen zwi­schen 36,5 und 37,0 Grad lie­gen. Bei Frauen steigt sie rund um den Eisprung und in der Schwan­ger­schaft um 0,2 bis 0,5 Grad. Miss eine Woche lang in der ersten Zyklus­hälfte, jeden Mor­gen zur glei­chen Zeit, mit einem Ther­mo­me­ter, das zwei Stel­len nach dem Komma anzeigt. Rek­tal wäre genauer, orale Mes­sung reicht für den Trend.

Ein dau­er­haft tie­fer Wert ist kein Beweis, son­dern ein Hin­weis. Aber ein Hin­weis, den du für zwölf Fran­ken selbst erhe­ben kannst, bevor du eine Blut­ent­nahme organisierst.

Was die Schild­drüse braucht

Zuerst die Roh­stoffe. In erster Linie über eine abwechs­lungs­rei­che Ernäh­rung, nicht über Kapseln:

  • Jod: Fisch, Mee­res­früchte, Scha­len­tiere, Algen, jodier­tes Speisesalz
  • Selen: Fisch und Mee­res­früchte, Inne­reien, Eier. Para­nüsse sind die dich­te­ste Quelle über­haupt, aller­dings mit stark schwan­ken­dem Gehalt und einer natür­li­chen Radi­um­be­la­stung, wes­halb zwei bis drei Stück pro Tag das Maxi­mum sind
  • Zink: Austern, Inne­reien wie Leber, Niere und Herz, Fleisch
  • L‑Tyrosin: ent­steht aus Phe­nyl­ala­nin, bei­des in Kür­bis­ker­nen, Pou­let, Lachs, Eiern, Walnüssen
  • Eisen: Fleisch, vor allem Inne­reien wie Leber, in klei­ne­ren Men­gen auch Poulet
  • Vit­amin D: fet­ter Fisch, Mee­res­früchte, Pilze, und in unse­ren Brei­ten zwi­schen Okto­ber und März rea­li­stisch nicht ohne Supplement

Wenn du sup­ple­men­tie­ren willst, kläre es mit dei­ner The­ra­peu­tin oder dei­nem Arzt ab. Bei Jod ist das kein höf­li­cher Zusatz, son­dern eine Regel: Nicht ohne Mes­sung, und bei bestehen­der Auto­im­mun­thy­reo­idi­tis nicht auf Verdacht.

Dazu eine ent­zün­dungs­hem­mende, nähr­stoff­dichte Ernäh­rung. Anti­oxi­dan­tien fan­gen freie Radi­kale ein und schüt­zen die Zel­len vor Stress, reich­lich vor­han­den in Brok­koli und ande­ren Kohl­ar­ten, Cur­cuma, Ing­wer, Knob­lauch, Zwie­beln, fer­men­tier­ten Lebens­mit­teln wie Sau­er­kraut, grü­nem Blatt­ge­müse, Bee­ren, grü­nem Tee, Pil­zen, Spar­gel, Oli­venöl, Trau­ben, Ana­nas und Papaya. Pflanz­li­che Hor­me­tine, etwa aus Cur­cuma, Ing­wer, wil­den Blau­bee­ren, Chili, Zimt oder Tee, regen die Ent­gif­tungs­wege an und machen den Orga­nis­mus wider­stands­fä­hi­ger gegen Stress. Adap­to­gene wir­ken in die­selbe Rich­tung: Ashwa­gan­dha und Rosen­wurz (Rho­diola rosea) aus der Pflan­zen­welt, Rei­shi und Cor­dy­ceps aus der Pilzwelt.

Die Hebel neben dem Teller

  • Schlaf. Sie­ben bis neun Stun­den, und zwar mit sta­bi­len Zei­ten. Der nächt­li­che TSH-Gip­fel braucht eine Nacht, die die­sen Namen verdient.
  • Stress­re­gu­la­tion. Weni­ger Cor­ti­sol bedeu­tet weni­ger Umwand­lung Rich­tung rT3. Atem­übun­gen, Medi­ta­tion, Acht­sam­keit, Spa­zier­gänge ohne Kopf­hö­rer. Was funk­tio­niert, ist das, was du tat­säch­lich machst.
  • Licht. Kunst­licht am Abend hemmt Mela­to­nin und hebt Cor­ti­sol. Hol dir als Erstes am Mor­gen zehn Minu­ten Tages­licht (auch bei Nebel, in den Him­mel schauen genügt) oder eine Lampe mit 10’000 Lux. Mit­tags­sonne und Son­nen­un­ter­gang mit­neh­men, wenn es der Tag zulässt. Für Bild­schirm­ar­beit am Abend hilft eine Blaulichtfilterbrille.
  • Bewe­gung. Trai­ning kur­belt die Ener­gie­ge­win­nung in den Mito­chon­drien an und ver­bes­sert die Emp­find­lich­keit der Zel­len für Hormonsignale.
  • Käl­te­reize. Kälte akti­viert das braune Fett­ge­webe, und dort wird lokal beson­ders viel T4 in akti­ves T3 umge­wan­delt. Starte mit wech­sel­war­mem Duschen, stei­gere auf ganz kalt, dann ver­län­gere die Dauer. Ein paar Minu­ten im T‑Shirt draus­sen zäh­len auch. Eis­ba­den nur gut vor­be­rei­tet und nie allein.
  • Mund­ge­sund­heit. Ein unter­schätz­ter Fak­tor, weil die Bak­te­rien in dei­nem Mund mit chro­ni­schen Ent­zün­dungs­pro­zes­sen im gan­zen Kör­per zusam­men­hän­gen. Zähne zwei- bis drei­mal täg­lich, dazu Zahn­seide, Inter­den­tal­stick (beson­ders bei Retai­nern), Zun­gen­scha­ber, Ölzie­hen und Nasen­at­mung. Und weni­ger Zucker, sowie weni­ger Zwi­schen­mahl­zei­ten. Drei Mahl­zei­ten am Tag las­sen dem Mund und dem Darm Pause.
  • Hor­mo­nelle Kon­tra­zep­tion. Geschlechts- und Schild­drü­sen­hor­mone hän­gen zusam­men. Östro­gen erhöht das Trans­port­pro­tein TBG im Blut, dadurch wer­den mehr Schild­drü­sen­hor­mone gebun­den und ste­hen weni­ger frei zur Ver­fü­gung. Bei einer gesun­den Schild­drüse kom­pen­siert der Kör­per das meist. Bei einer ange­schla­ge­nen kann es der Trop­fen sein, der das Fass zum Über­lau­fen bringt. Das heisst nicht, dass du die Pille abset­zen musst, son­dern dass sie in die Rech­nung gehört und ins Gespräch mit dei­ner Gynäkologin.

Zurück zum Budget

Die Frau mit den Woll­socken hatte einen TSH von 2,4. Voll­kom­men unauf­fäl­lig. Ihr fT3 lag am unte­ren Rand, ihr Fer­ri­tin bei 14, ihr CRP leicht erhöht, und die TPO-Anti­kör­per waren posi­tiv. Nichts davon war vor­her gemes­sen wor­den, weil nie­mand danach gesucht hatte.

Deine Schild­drüse ist kein Organ, das ein­fach kaputt­geht. Sie ist ein Finanz­mi­ni­ste­rium, das auf Signale reagiert. Wenn dau­ernd Kri­sen­mel­dun­gen aus dem Immun­sy­stem kom­men, wenn die Nächte zu kurz sind und die Roh­stoffe feh­len, dann kürzt sie das Bud­get. Das ist keine Fehl­funk­tion, son­dern eine ziem­lich ver­nünf­tige Ent­schei­dung unter schlech­ten Voraussetzungen.

Genau das ist die gute Nach­richt. Über Ernäh­rung, Schlaf, Licht, Stress und Bewe­gung hast du ech­ten Ein­fluss dar­auf, wel­che Signale ankom­men. Nicht auf alles, und nicht bei jeder Dia­gnose gleich viel, aber auf mehr, als dir ein ein­zel­ner Blut­wert je erzäh­len wird.

Und falls du seit Jah­ren hörst, dass alles in Ord­nung sei, wäh­rend du im Okto­ber Woll­socken brauchst: Du bist nicht emp­find­lich. Es hat nur noch nie­mand rich­tig hingeschaut.

Du möch­test wis­sen, was bei dir tat­säch­lich los ist, statt wei­ter zu raten? In der kPNI-Bera­tung bei Pico­sana schauen wir uns die voll­stän­dige Labor­kon­stel­la­tion an, ord­nen sie in dei­nen All­tag ein und bauen dar­aus einen Plan, der zu dei­nem Leben passt. Buche hier einen kosten­lo­sen Kennenlern-Termin!

Die­ser Arti­kel dient der Infor­ma­tion und ersetzt keine medi­zi­ni­sche Dia­gnose oder Behand­lung. Bei Ver­dacht auf eine Schild­drü­sen­er­kran­kung lass dich ärzt­lich abklären.

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